Unternehmensnachfolge 2026: drei Studien, ein Bild.
Die Unternehmensnachfolge 2026 steht vor einer historischen Herausforderung: In Deutschland stehen in den kommenden Jahren so viele Betriebsübergaben an wie nie zuvor, und gleichzeitig fehlen die Käufer. Drei der wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Institutionen haben 2025 unabhängig voneinander Zahlen veröffentlicht, die ein einheitliches Bild zeichnen: Der Nachfolgemarkt ist angespannt. Und für Inhaberinnen und Inhaber, die nicht frühzeitig handeln, wird es eng.
Dieser Artikel fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und ordnet ein, was sie für den Verkauf kleiner und mittlerer Unternehmen bedeuten.
186.000 Unternehmen suchen bis 2030 einen Nachfolger
Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn schätzt in seiner aktuellen Studie „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030″ (Daten und Fakten Nr. 37, 2025), dass in diesem Zeitraum rund 186.000 Unternehmen zur Übergabe anstehen, etwa 37.200 pro Jahr.
Das ist ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorzeitraum 2022–2026, in dem 190.000 Übergaben erwartet wurden. Der Rückgang bedeutet allerdings keine Entwarnung. Er ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe verschlechtert hat. Sinkende Erträge und steigende Risiken machen eine Übernahme für potenzielle Nachfolger weniger attraktiv, besonders bei unternehmensnahen Dienstleistern mit Jahresumsätzen unter 500.000 Euro.
Rund 30 Prozent der betroffenen Betriebe entfallen auf das Verarbeitende Gewerbe, weitere 30 Prozent auf unternehmensnahe Dienstleistungen.
Quelle: IfM Bonn, „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030″, Daten und Fakten Nr. 37, 2025
9.600 IHK-Beratungen: Rekord seit 2007
Der DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025 bestätigt den Trend aus Praxissicht: 2024 fanden rund 9.600 Nachfolge-Beratungsgespräche bei den Industrie- und Handelskammern statt, 16 Prozent mehr als im Vorjahr und ein historischer Höchststand seit Beginn der Erhebung. Insgesamt basiert der Report auf mehr als 50.000 persönlichen Kontakten.
Das Problem liegt auf der Nachfrageseite: Nur rund 4.000 übernahmeinteressierte Personen suchten die IHKs auf. Das Verhältnis von abgabewilligen Betrieben zu Interessenten liegt bei 2,4 zu 1. Für jedes Unternehmen, das einen Nachfolger sucht, gibt es rechnerisch nicht einmal einen halben Kandidaten.
In einzelnen Branchen ist die Lage noch dramatischer:
| Branche | Verhältnis Angebot : Nachfrage |
|---|---|
| Transportgewerbe | 4 : 1 |
| Gastronomie & Einzelhandel | über 3 : 1 |
| IT & Technische Dienste | 1,9 : 1 |
| Branchenübergreifend | 2,4 : 1 |
27 Prozent der 2024 beratenen Unternehmen ziehen eine Betriebsschließung in Betracht, weil sich kein Nachfolger findet. 92 Prozent der IHKs berichten, dass Schließung mangels Nachfolger eine reale Option ist. Der DIHK warnt: Bis zu 250.000 Betriebe könnten in den kommenden zehn Jahren verschwinden.
Quelle: DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025, basierend auf Daten aller 79 IHKs
Mehr Stilllegungen als Nachfolgewünsche
Die dritte Perspektive liefert das KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 (veröffentlicht Januar 2026). Die Erhebung basiert auf dem repräsentativen KfW-Mittelstandspanel und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis:
| Kennzahl | Wert (jährlich bis 2029) |
|---|---|
| Nachfolgewünsche pro Jahr | 109.000 |
| Geplante Stilllegungen pro Jahr | 114.000 |
| Inhaberinnen und Inhaber über 55 | über 2 Millionen |
| Ø angestrebter Verkaufspreis | rund 499.000 Euro |
Zum ersten Mal übersteigt die Zahl der geplanten Stilllegungen die Zahl der Nachfolgewünsche. Mehr Inhaberinnen und Inhaber planen also die bewusste Geschäftsaufgabe als eine geordnete Übergabe.
Die häufigste Hürde bei der Unternehmensnachfolge 2026 und darüber hinaus: einen geeigneten Nachfolger finden (74 Prozent). Danach folgen Kaufpreiseinigung (30 Prozent), Bürokratieaufwand (30 Prozent), rechtliche Komplexität (28 Prozent) und Finanzierungsfragen (16 Prozent).
Quelle: KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025, Fokus Volkswirtschaft Nr. 526, Januar 2026

Was das für die Unternehmensnachfolge 2026 bedeutet
Es geht bei diesen Zahlen nicht um abstrakte Statistiken. Es geht um den SHK-Meister in Köln-Ehrenfeld, der seit 35 Jahren Heizungen installiert und dessen Betrieb mit vier Mitarbeitern ohne Nachfolger einfach aufhört zu existieren. Um die Elektrikerin in Bonn, die ihren Betrieb gerne übergeben würde, aber nicht weiß, wo sie anfangen soll. Um den Einzelhändler in Leverkusen, der seit Monaten ein Inserat auf nexxt-change hat, auf das sich niemand meldet.
Das sind funktionierende Unternehmen mit Kunden, Mitarbeitern, Know-how. Die Erfahrung aus dem institutionellen M&A zeigt: Der entscheidende Unterschied zwischen einer gelungenen und einer gescheiterten Nachfolge liegt selten am Kaufpreis. Er liegt an der Vorbereitung.
Erstens: Professionelle Unterlagen erstellen. Käufer und deren Bankberater brauchen eine transparente Grundlage: normalisiertes EBITDA, strukturiertes Verkaufsprofil, marktgerechte Kaufpreisindikation. Ohne diese Unterlagen steigen viele Interessenten gar nicht erst in die Prüfung ein.
Zweitens: Branchenspezifisch denken. Ein SHK-Betrieb mit stabiler Auftragslage wird völlig anders wahrgenommen als ein Einzelhändler mit sinkenden Frequenzen. Verkaufsstrategie, Käuferansprache und Preisfindung müssen das widerspiegeln.
Drittens: Nicht abwarten. Die Zahlen zur Unternehmensnachfolge 2026 zeigen, dass sich die Nachfrageseite nicht von allein verbessert. Wer in zwei bis drei Jahren übergeben möchte, sollte jetzt mit der Vorbereitung beginnen, nicht erst, wenn der Wunsch-Ruhestand vor der Tür steht.
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