Was ist mein Betrieb wert? EBITDA-Multiplikator erklärt | Cedivo

Den EBITDA-Multiplikator zu verstehen ist der erste Schritt zu einer realistischen Unternehmensbewertung. Sie führen Ihren Betrieb seit 20 oder 30 Jahren. Die Auftragsbücher sind voll, Ihre Mitarbeiter sind loyal, Ihre Kunden kommen seit Jahrzehnten. Aber wenn jemand fragt: „Was ist Ihr Betrieb wert?“ — dann wird es oft still.

Die meisten Inhaber schätzen den Wert ihres Unternehmens falsch ein. Manche setzen ihn zu hoch an, weil sie Jahrzehnte Arbeit sehen. Andere setzen ihn zu niedrig an, weil sie nur an das Anlagevermögen denken. Die Wahrheit liegt woanders — nämlich in der Ertragskraft.

Was Käufer wirklich interessiert

Ein Käufer kauft keine Maschinen und keine Büroeinrichtung. Er kauft die Fähigkeit Ihres Betriebs, in Zukunft Geld zu verdienen. Deshalb schauen professionelle Käufer, Banken und Berater auf eine einzige Kennzahl: das EBITDA.

EBITDA steht für „Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.“ Vereinfacht gesagt: Was bleibt übrig, nachdem alle laufenden Kosten bezahlt sind — aber bevor der Staat und die Bank ihren Anteil nehmen?

Diese Zahl zeigt, wie viel operatives Geld Ihr Betrieb tatsächlich erwirtschaftet. Und genau diese Zahl multipliziert der Käufer mit einem Faktor — dem sogenannten Multiplikator.

So funktioniert die Rechnung

Die Formel ist einfach:

Unternehmenswert = EBITDA × Multiplikator

Ein Beispiel: Ein SHK-Betrieb in Nordrhein-Westfalen erwirtschaftet ein EBITDA von 200.000 Euro im Jahr. Der branchenübliche Multiplikator liegt bei 4,5. Dann ergibt sich:

200.000 € × 4,5 = 900.000 € Unternehmenswert

Das ist der sogenannte Enterprise Value — der Wert des Betriebs als Ganzes. Davon werden noch Bankschulden abgezogen und vorhandene Liquidität hinzugerechnet. Das Ergebnis ist der Preis, den ein Käufer für Ihre Anteile bezahlen würde.

Welche Multiplikatoren gelten für Handwerksbetriebe?

Multiplikatoren sind nicht für alle Branchen gleich. Sie hängen ab von der Branche, der Betriebsgröße, dem Wachstum und der Stabilität der Erträge. Hier eine Orientierung für typische Handwerksbetriebe mit 20 bis 80 Mitarbeitern:

SHK (Sanitär, Heizung, Klima): 3,5× bis 5,5× EBITDA. Betriebe mit Wärmepumpen-Kompetenz und hohem Wartungsvertragsanteil liegen am oberen Ende.

Elektro und Gebäudetechnik: 3,0× bis 5,0× EBITDA. KNX-Zertifizierung und Smart-Home-Kompetenz wirken als Preistreiber.

Maler und Lackierer: 2,5× bis 4,0× EBITDA. Höhere Multiplikatoren bei Spezialisierung auf Industriebeschichtung oder Fassadensanierung.

Dachdecker: 3,0× bis 4,5× EBITDA. Photovoltaik-Kompetenz und Flachdach-Spezialisierung heben den Wert.

Zum Vergleich: Große börsennotierte Unternehmen werden oft mit Multiplikatoren von 10× bis 15× bewertet. Dass Handwerksbetriebe deutlich darunterliegen, liegt nicht an mangelnder Qualität — sondern an der Abhängigkeit vom Inhaber, der begrenzten Größe und der weniger liquiden Käuferstruktur.

Warum das „bereinigte“ EBITDA entscheidend ist

In den meisten inhabergeführten Betrieben ist das EBITDA aus der Buchhaltung nicht das EBITDA, das ein Käufer sieht. Der Grund: Viele Inhaber zahlen sich ein Gehalt, das deutlich unter dem Marktüblichen liegt — oder deutlich darüber. Manche lassen private Kosten über den Betrieb laufen: das Auto, das Telefon, die Versicherung.

Deshalb wird das EBITDA „normalisiert“: Das tatsächliche Inhabergehalt wird durch ein marktübliches Geschäftsführergehalt ersetzt (im SHK-Handwerk liegt das bei rund 95.000 Euro), Einmaleffekte wie Corona-Hilfen oder ungewöhnliche Schadenfälle werden herausgerechnet, und private Kosten werden bereinigt.

Erst nach dieser Normalisierung zeigt das EBITDA, was der Betrieb wirklich verdient — unabhängig davon, wer ihn führt. Und erst dann kann ein Käufer seriös rechnen.

Warum der Multiplikator allein nicht reicht

Der EBITDA-Multiplikator liefert eine gute erste Einschätzung. Aber er hat Grenzen. Er berücksichtigt nicht, ob der Betrieb einen einzelnen Großkunden hat (Klumpenrisiko), ob die Mitarbeiter nach dem Verkauf bleiben, wie gut die Prozesse dokumentiert sind, oder ob der Inhaber das gesamte Kundenwissen im Kopf hat.

Professionelle Bewertungen nutzen deshalb mindestens zwei Methoden: den EBITDA-Multiplikator und den Umsatz-Multiplikator (bei SHK typischerweise 0,3× bis 0,5× Jahresumsatz). Die Gewichtung — in der Praxis oft 70 % EBITDA-Methode und 30 % Umsatz-Methode — ergibt einen belastbaren Korridor.

Was das für Sie bedeutet

Wenn Sie Ihren Betrieb in den nächsten Jahren verkaufen möchten, sollten Sie zwei Dinge tun: Erstens, Ihr normalisiertes EBITDA kennen. Und zweitens, verstehen, welche Faktoren Ihren Multiplikator nach oben oder nach unten bewegen.

Faktoren, die den Multiplikator erhöhen: hoher Anteil an Wartungsverträgen (wiederkehrender Umsatz), ein eingespieltes Team mit geringer Fluktuation, dokumentierte Prozesse und geringe Inhaberabhängigkeit, Spezialisierung auf Zukunftsthemen wie Wärmepumpen oder Smart Home.

Faktoren, die den Multiplikator senken: starke Abhängigkeit vom Inhaber, ein oder zwei dominante Großkunden, sinkende Umsätze oder Margen, fehlende Nachfolgeplanung im Team.

Die gute Nachricht: An vielen dieser Faktoren können Sie in den Jahren vor dem Verkauf gezielt arbeiten. Eine professionelle Verkaufsanalyse zeigt Ihnen, wo Sie stehen und was sich noch verbessern lässt.


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