Unternehmensnachfolge NRW: Was die Zahlen 2025 für Inhaber bedeuten

Nordrhein-Westfalen verliert Betriebe schneller, als sie übergeben werden. Das ist keine Vermutung, sondern lässt sich an der amtlichen Gewerbeanzeigenstatistik ablesen. Für unsere Auswertung, den Cedivo Nachfolge-Atlas, haben wir das Verhältnis von endgültigen Betriebsaufgaben zu möglichen Übernahmen für alle Kreise und kreisfreien Städte in NRW berechnet. Das Ergebnis ist deutlich, und für Inhaber, die über einen Verkauf nachdenken, ist es zugleich eine Chance.

Unternehmensnachfolge in NRW: die Zahlen 2025

2025 wurden in Nordrhein-Westfalen 20.754 Betriebe mit wirtschaftlichem Gewicht endgültig aufgegeben. Das sind rund 83 Betriebsaufgaben pro Werktag, und gegenüber 2020 ist die Zahl um knapp 20 Prozent gestiegen.

Dem stehen höchstens 8.484 Anmeldungen gegenüber, hinter denen eine Betriebsübernahme stehen kann. Auf jede mögliche Übernahme kommen damit mindestens 2,4 endgültig aufgegebene Betriebe. Im Bundesvergleich liegt NRW über dem Schnitt: bundesweit sind es 2,2 Aufgaben je möglicher Übernahme, in NRW 2,4. Wie sich dieselbe Kennzahl anderswo darstellt, zeigen unsere Auswertungen zu Hamburg und Bayern, wo der Käufermarkt spürbar dichter ist.

Wichtig dabei: Es liegt nicht an fehlender unternehmerischer Energie. Auf jede mögliche Übernahme kommen in NRW gut drei Neugründungen. Gegründet wird also reichlich, nur fließt diese Energie in neue Betriebe statt in die Bestandsbetriebe der Babyboomer.

Das regionale Gefälle: Ruhrgebiet gegen Münsterland

Die Nachfolge-Lücke ist nicht überall gleich groß. Das Ruhrgebiet schneidet am schlechtesten ab: In Duisburg kommen auf eine mögliche Übernahme elf endgültige Schließungen, in Herne acht, in Essen sechs. Am anderen Ende stehen das Münsterland und Ostwestfalen-Lippe mit Werten unter zwei, also Regionen mit starkem familiengeführtem Mittelstand und funktionierenden Übergabe-Netzwerken.

Das Muster zeigt: Die Lücke folgt nicht der Wirtschaftskraft, sondern der Struktur. Wo inhabergeführte Betriebe ohne familiäre Nachfolger auf dünne Käufermärkte treffen, schließt sich kein Kreislauf.

Die vollständige Auswertung aller Kreise finden Sie im Cedivo Nachfolge-Atlas.

Welche Betriebe es am härtesten trifft

Über alle Branchen liegt das Verhältnis von Gewerbeaufgaben zu möglichen Übernahmen bei rund 13 zu 1. Besonders weit darüber liegen die klassisch inhabergeführten Gewerke, in denen ein Betrieb verkauft werden muss, um fortzubestehen. Im Baugewerbe, zu dem auch viele SHK- und Ausbaubetriebe zählen, kommen auf jede mögliche Übernahme rund 25 endgültige Aufgaben. Diese Betriebe haben Substanz, aber keinen Abnehmer.

Das deckt sich mit dem demografischen Druck: Bundesweit stehen laut Institut für Mittelstandsforschung zwischen 2026 und 2030 rund 186.000 Familienunternehmen vor der Übergabe, und kein Bundesland stellt davon mehr als NRW.

Warum Betriebe schließen, statt übergeben zu werden

Anders als bei einer Insolvenz scheitern diese Betriebe nicht am Markt. Die KfW bescheinigt der Nachfolge-Kohorte eine überdurchschnittliche Ertragskraft. Sie verschwinden, weil der Übergabe-Prozess scheitert: zu dünner Käufermarkt, zu späte Vorbereitung und fehlende, bankenfähige Unterlagen. Banken finanzieren keine Übernahme ohne belastbare Zahlen, und genau daran fehlt es bei kleinen Betrieben am häufigsten, nicht an der Substanz.

Die bundesweiten Hintergründe, also die DIHK-, IfM- und KfW-Zahlen im Detail, haben wir im DIHK-Report Unternehmensnachfolge aufbereitet. Dieser Artikel konzentriert sich auf das, was die amtlichen Daten speziell für NRW zeigen.

Was Inhaber in NRW jetzt tun sollten

Drei Hebel sind bekannt und wirksam, und alle drei werden zu selten und zu spät angewandt:

Früher anfangen. Wer erst beim Ausstieg mit der Vorbereitung beginnt, hat die Zeit gegen sich. Ein Vorlauf von Jahren statt Monaten ist der Unterschied zwischen einem guten Preis und einer stillen Schließung.

Den Betrieb übergabe- und bankenfähig aufbereiten. Eine fundierte Bewertung, ein bankenfähiges Verkaufsprofil und ein anonymisierter Teaser sind die Unterlagen, die Käufer und finanzierende Banken erwarten. Mehr dazu im Ratgeber Firma verkaufen und in der Übersicht zur Unternehmensnachfolge.

Den Käuferkreis über die Familie hinaus denken. Wenn niemand aus der Familie übernimmt, entscheidet die Qualität der Unterlagen darüber, ob sich ein externer Käufer findet.

Ein guter erster Schritt, ohne Verpflichtung: Mit dem kostenlosen Verkaufsreife-Check sehen Sie in wenigen Minuten, wo Ihr Betrieb beim Thema Verkauf und Nachfolge steht.

Die Nachfolge-Lücke in NRW ist real und wächst. Für vorbereitete Inhaber ist sie aber kein Risiko, sondern ein Markt mit mehr Nachfrage als Angebot, vorausgesetzt, der Betrieb steht professionell da.