Wie viel ist mein Betrieb wert? Diese Frage stellen sich Inhaber, die über einen Verkauf nachdenken, als Erstes. Die Antwort muss nicht kompliziert sein. Mit einer bewährten Faustformel können Sie den Unternehmenswert berechnen, ohne Wirtschaftsprüfer und ohne Gutachten.
Dieser Artikel zeigt, wie die Faustformel funktioniert, welche Multiplikatoren für welche Branche gelten und wo die Grenzen der Methode liegen.
Unternehmenswert berechnen: Die Faustformel im Überblick
Die gängigste Faustformel für den Unternehmenswert bei KMU basiert auf dem EBITDA-Multiplikator:
Unternehmenswert = bereinigtes EBITDA × Branchen-Multiplikator
EBITDA steht für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Bei inhabergeführten Betrieben wird das EBITDA bereinigt, also um Einmaleffekte und ein marktübliches Geschäftsführergehalt korrigiert. Denn viele Inhaber zahlen sich deutlich mehr oder weniger als marktüblich aus. Die Bereinigung stellt sicher, dass der Käufer sieht, was der Betrieb unter normalen Bedingungen erwirtschaftet.
Der Multiplikator hängt von der Branche, der Betriebsgröße, dem Wachstum und der Abhängigkeit vom Inhaber ab. Er liegt bei KMU im Handwerk typischerweise zwischen 3,0x und 6,0x. Mehr dazu im Abschnitt Branchentabelle weiter unten.
Einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Bewertungsmethoden finden Sie im Ratgeber Unternehmensbewertung.
Schritt für Schritt: Unternehmenswert berechnen mit der EBITDA-Faustformel
Schritt 1: EBITDA ermitteln
Nehmen Sie den Jahresüberschuss aus dem letzten Jahresabschluss und rechnen Sie zurück:
Jahresüberschuss + Zinsen + Steuern + Abschreibungen = EBITDA
Für einen SHK-Betrieb mit 1,2 Mio. EUR Umsatz könnte das so aussehen:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Jahresüberschuss | 120.000 EUR |
| + Zinsaufwand | 8.000 EUR |
| + Steuern | 35.000 EUR |
| + Abschreibungen | 22.000 EUR |
| EBITDA | 185.000 EUR |
Schritt 2: EBITDA bereinigen
Im nächsten Schritt bereinigen Sie das EBITDA um inhaberbezogene Effekte:
| Bereinigung | Betrag |
|---|---|
| EBITDA (roh) | 185.000 EUR |
| + Inhabergehalt-Normalisierung | +30.000 EUR |
| – Einmaleffekt (Versicherungserstattung) | -15.000 EUR |
| Bereinigtes EBITDA | 200.000 EUR |
Die Inhabergehalt-Normalisierung korrigiert die Differenz zwischen dem tatsächlich gezahlten und einem marktüblichen Geschäftsführergehalt. Wenn der Inhaber sich 80.000 EUR auszahlt, aber ein angestellter Geschäftsführer ein marktübliches Gehalt beziehen würde, erhöht sich das bereinigte EBITDA um die Differenz, weil der Käufer diesen Mehrbetrag als Gewinn verbuchen kann.
Schritt 3: Multiplikator anwenden
Für einen SHK-Betrieb liegt der EBITDA-Multiplikator bei 3,5x bis 5,5x (Quelle: DUB.de KMU-Multiples, Exit-Coach.de):
| Szenario | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Konservativ (3,5x) | 200.000 × 3,5 | 700.000 EUR |
| Mittelwert (4,5x) | 200.000 × 4,5 | 900.000 EUR |
| Optimistisch (5,5x) | 200.000 × 5,5 | 1.100.000 EUR |
Damit ergibt sich für diesen Betrieb ein realistischer Wertkorridor von rund 700.000 bis 1.100.000 EUR. Als Orientierung für den Angebotspreis bietet sich das obere Drittel dieser Spanne an — das lässt Verhandlungsspielraum nach unten und wirkt zugleich fundiert.
Zweite Faustformel: Unternehmenswert über den Umsatz berechnen
Neben dem EBITDA-Multiplikator gibt es eine zweite Faustformel, die auf dem Umsatz basiert:
Unternehmenswert = Jahresumsatz × Umsatz-Multiplikator
Für den SHK-Betrieb mit 1,2 Mio. EUR Umsatz und einem Umsatz-Multiplikator von 0,3x bis 0,5x:
| Szenario | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Konservativ (0,3x) | 1.200.000 × 0,3 | 360.000 EUR |
| Mittelwert (0,4x) | 1.200.000 × 0,4 | 480.000 EUR |
| Optimistisch (0,5x) | 1.200.000 × 0,5 | 600.000 EUR |
Der Umsatz-Multiplikator ist weniger präzise als der EBITDA-Multiplikator, weil er die Profitabilität nicht berücksichtigt. Ein Betrieb mit 10% Marge und einer mit 2% Marge haben bei gleichem Umsatz sehr unterschiedliche Werte. In der Praxis dient die Umsatz-Methode deshalb meist als Plausibilitätscheck, während die EBITDA-Methode den Ausschlag gibt.
Unternehmenswert berechnen: Faustformel-Tabelle nach Branchen
Die Multiplikatoren unterscheiden sich erheblich je nach Branche. Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen EBITDA-Multiplikatoren für KMU in Deutschland:
| Branche | EBITDA-Multiplikator | Umsatz-Multiplikator |
|---|---|---|
| SHK-Handwerk | 3,5x bis 5,5x | 0,3x bis 0,5x |
| Elektro-Handwerk | 4,0x bis 6,0x | 0,35x bis 0,5x |
| Maler und Lackierer | 3,0x bis 4,5x | 0,25x bis 0,38x |
| Dachdeckerhandwerk | 3,5x bis 5,0x | 0,3x bis 0,42x |
| Tischlerei/Schreinerei | 3,5x bis 5,0x | 0,35x bis 0,55x |
| Kfz-Werkstatt | 3,0x bis 5,0x | 0,25x bis 0,4x |
| Gebäudetechnik | 4,0x bis 6,5x | 0,35x bis 0,5x |
| IT-Dienstleistung | 4,5x bis 7,0x | 0,4x bis 0,7x |
| Gastronomie | 2,0x bis 4,0x | 0,25x bis 0,4x |
| Einzelhandel | 2,5x bis 5,0x | 0,15x bis 0,35x |
| Pflege/Pflegedienst | 4,0x bis 8,0x | 0,3x bis 0,6x |
| Produktion (Nische) | 4,0x bis 6,5x | 0,3x bis 0,5x |
Quellen: DUB.de KMU-Multiples Q4/2025, Exit-Coach.de EBITDA-Multiples, KKA Transaktionsdaten. Alle Werte sind Richtwerte für inhabergeführte KMU mit 0,5 bis 5 Mio. EUR Umsatz. Einen Überblick über branchenübergreifende KMU-Multiples bietet auch DUB.de.
Warum die Bandbreiten so groß sind? Der Multiplikator innerhalb einer Branche hängt von Faktoren ab wie: Inhaberabhängigkeit (weniger = höher), Kundenkonzentration (diversifiziert = höher), wiederkehrender Umsatz (Wartungsverträge = höher), Wachstumstrend und Zustand von Maschinen und Ausstattung.
Mehr zur Einordnung der Multiplikatoren lesen Sie in unserem Artikel EBITDA-Multiplikator einfach erklärt.
Was die Faustformel nicht berücksichtigt
Die Faustformel liefert einen Korridor, keine exakte Zahl. Folgende Faktoren werden nicht oder nur indirekt abgebildet:
Immobilien: Wenn der Betrieb eine eigene Immobilie besitzt, wird diese in der Regel separat bewertet. Die Faustformel bezieht sich auf den operativen Betrieb, nicht auf Grundstücke und Gebäude.
Sondervermögen: Überschüssige Kassenbestände, Wertpapiere oder nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte fließen nicht in den EBITDA-Multiplikator ein und werden separat bewertet.
Abhängigkeit vom Inhaber: Ein Betrieb, der ohne den Inhaber nicht funktioniert, ist für einen Käufer riskanter. Das drückt den Multiplikator nach unten. Betriebe mit eigenständig arbeitendem Team und dokumentierten Prozessen erzielen höhere Multiplikatoren.
Marktumfeld: In Regionen mit hoher Nachfrage (z.B. Ballungsräume) werden tendenziell höhere Preise erzielt als in strukturschwachen Gebieten.
Faustformel vs. Gutachten: Was brauche ich wirklich?
Für die erste Orientierung reicht die Faustformel. Sie gibt Ihnen einen realistischen Korridor, in dem sich der Kaufpreis bewegen wird. Das ist ausreichend, um zu entscheiden, ob ein Verkauf grundsätzlich interessant ist und welche Preisvorstellung realistisch ist.
Ein formales Gutachten (z.B. nach IDW S1) kostet 5.000 bis 15.000 EUR und dauert mehrere Wochen. Für KMU mit einem Unternehmenswert unter 2 Mio. EUR ist das in den meisten Fällen unverhältnismäßig. Die Faustformel mit branchenspezifischen Multiplikatoren ist der Standard bei KMU-Transaktionen.
Der Unterschied: Ein Gutachten hat rechtliche Relevanz (z.B. bei Scheidung oder Erbschaft). Eine Wertindikation auf Basis der Faustformel ist die Grundlage für Kaufpreisverhandlungen. Beides hat seine Berechtigung, aber für den typischen KMU-Verkauf ist die Faustformel der richtige Startpunkt.
Tipps: Unternehmenswert berechnen und den Angebotspreis richtig ansetzen
Viele Inhaber machen den Fehler, den Mittelwert des Korridors als Angebotspreis zu nehmen. Das verschenkt Verhandlungsspielraum. Der empfohlene Ansatz: Setzen Sie den Angebotspreis im oberen Drittel des Korridors an. So haben Sie Verhandlungsspielraum nach unten und signalisieren gleichzeitig Professionalität.
Ein zweiter häufiger Fehler: Nur ein Geschäftsjahr als Grundlage verwenden. Wenn das letzte Jahr ungewöhnlich gut oder schlecht war, verzerrt das den Unternehmenswert. Verwenden Sie das aktuellste Jahr als Basis, aber prüfen Sie, ob Einmaleffekte das Bild verzerren. Für die Bereinigung sind typischerweise folgende Positionen relevant: außergewöhnliche Reparaturen, einmalige Versicherungserstattungen, Auflösung von Rückstellungen oder private Aufwendungen über den Betrieb.
Häufige Fragen zum Unternehmenswert berechnen per Faustformel
Wie genau ist die Faustformel für den Unternehmenswert?
Die Faustformel liefert einen realistischen Korridor mit einer Bandbreite von plus/minus 20 bis 30%. Das reicht für die erste Orientierung und die Kaufpreisverhandlung. Der tatsächliche Verkaufspreis hängt von der Verhandlung, der Käufersituation und der Übergabebereitschaft ab.
Welchen Multiplikator sollte ich für meinen Betrieb verwenden?
Verwenden Sie den branchenspezifischen EBITDA-Multiplikator aus der Tabelle oben. Innerhalb der Bandbreite entscheiden Faktoren wie Inhaberabhängigkeit, Kundenkonzentration, wiederkehrender Umsatz und Wachstumstrend, ob Sie eher am unteren oder oberen Ende liegen.
Kann ich den Unternehmenswert auch ohne Jahresabschluss berechnen?
Für eine grobe Schätzung können Sie den Umsatz-Multiplikator verwenden, dafür brauchen Sie nur den Jahresumsatz. Das Ergebnis ist aber weniger aussagekräftig als eine EBITDA-basierte Berechnung. Für eine belastbare Wertindikation sind mindestens die Zahlen des letzten Geschäftsjahres nötig.
Warum unterscheiden sich die Multiplikatoren so stark zwischen Branchen?
Die Multiplikatoren spiegeln das Risiko und die Attraktivität einer Branche wider. IT-Dienstleister mit wiederkehrenden Umsätzen (4,5x bis 7,0x) sind für Käufer attraktiver als Gastronomiebetriebe mit saisonalen Schwankungen (2,0x bis 4,0x). Höherer Multiplikator bedeutet: weniger Risiko, stabilere Erträge, bessere Wachstumsaussichten.
Zählt die Immobilie zum Unternehmenswert?
In der Regel nicht. Die Faustformel bewertet den operativen Betrieb. Betriebsimmobilien werden separat bewertet und können entweder mitverkauft oder an den Käufer vermietet werden. Die Mietlösung hat für den Verkäufer den Vorteil einer laufenden Einnahme nach dem Verkauf.
Was Cedivo zur Wertindikation beiträgt
Cedivo erstellt professionelle Wertindikationen auf Basis der EBITDA- und Umsatz-Multiplikator-Methode, mit branchenspezifischen Multiplikatoren, bereinigtem EBITDA und einem empfohlenen Angebotspreis. Die Ergebnisse werden in einer Verkaufsanalyse zusammengefasst, die als Grundlage für Kaufpreisverhandlungen und Bankgespräche dient.
Festpreis: 1.990 EUR (Standard) oder 2.990 EUR (Premium mit 45-Min-Strategiegespräch). Keine Provision, keine laufenden Kosten.
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Weiterführend: Ratgeber Unternehmensbewertung | Ratgeber Firma verkaufen | EBITDA-Multiplikator einfach erklärt
Johannes Heickmann ist Gründer von Cedivo. Mit Erfahrung aus dem Transaktionsgeschäft bei einem der größten deutschen Finanzinstitute erstellt er professionelle Verkaufsdokumentationen für KMU-Inhaber, zum Festpreis mit klarer Lieferfrist.